Meilenwerk 2011

20 Jahre IG PendelachseEs war einmal ein kleines Automobil, das vor langer, langer Zeit viele, viele Freunde hatte. Und diese Freunde waren so zahlreich, daß in jedem Land unserer schönen Welt tausende davon lebten. Sie stellten allerlei schöne Dinge mit dem Autochen an, denn sie fuhren in ihm, um ihr tägliches Brot auf rechtschaffene Weise zu verdienen, um Freunde zu besuchen, um ihren Großmüttern Wein und Kuchen zu bringen und auch, um ganz ferne Länder und fremde Völker zu sehen. Dazu packten sie viele schöne Dinge in das Mobilchen ein und sogar auch oben drauf. Und das tapfere kleine Automobil brachte sie allesamt ohne Murren und Knurren an Ihr Ziel, so als ob’s gar nichts wäre.

Andere taten dem Autochen allerlei Merkwürdigkeiten an. Sie malten es kunterbunt an oder bauten ihm fremdartige Bauteile und Motoren ein, um gehörig Eindruck mit ihm zu schinden, wozu es dereinst doch gar nicht geschaffen ward.

Die meisten Freunde des kleinen Autos aber putzten und polierten ihm lange Zeit den spiegelnden Lack und den glänzenden Chrom, daß es nur so eine Freude war. Wunderschön anzuschauen waren die Legionen des Autochens, ganz gleich ob in der Sonne oder im Mondenschein. Und eines schönen Tages ließ sich ein gar findiger Kopf aus dem großen, fernen Land der schier unbegrenzten Möglichkeiten einen hübschen Kosenamen für unseren blechernen Kameraden einfallen. Dessen allerliebst gerundete Form erinnerte den guten Mann an ein gar nützlich Krabbeltier, so ersann er sich den Namen „Käfer“ für seinen vierrädrigen Freund. Alsbald ward er auf der ganzen Welt so geheißen: Beetle im fernen Amerika, Coccinelle im nahen Frankenreich, Maggiolino im sonnigen Italien. Und Spaß, ja ganz viel Spaß hatten sie alle mit dem kleinen Käfer!

Aber ach! Im Lauf der vielen Jahre wurden die Freunde des großen kleinen Käfers immer weniger und weniger. Und auch die vielen, vielen seiner Exemplare wurden immer weniger und weniger, weil sich nicht mehr so recht viele Menschen um sie kümmern wollten. Das kleine Auto hatte manche Menschen recht wohlhabend gemacht und sie mochten sich dann gar nicht mehr so gern in ihm sehen lassen, weil es doch zu bescheiden erschien. Traurig guckten viele der kleinen und mittlerweile gar nicht mehr so glänzenden Käferlein drein. Ihre Augen wurden blind, der Lack stumpf und der Chrom blätterte. Selbst manch finstere Droschkenhändler aus dem Morgenland verweigerten die Aufnahme notleidender Käfer in ihr glitzerndes Sortiment. Allzuviele der einstmals geliebten Kameraden gingen dann frühzeitig den Weg, der uns allen dereinst beschieden ist.

Da trug es sich im Jahre 1991 im feinen Düsseldorf am Rhein zu, daß drei edle junge Ritter von schönster Gestalt auszogen, den wacker ums Überleben ringenden Käfer zu retten. Sie schauten hier, fragten da und fanden dort das eine ums andere Autochen, um es bei sich aufzunehmen. Ohne nach Dank oder Lohn zu trachten, umsorgten die edlen Recken jedes auch noch so gebrechliche Vehikel und standen sich auch gegenseitig in ihrer bisweilen verzweifelten Not bei, wenn es einmal mehr ums Überleben eines ihrer Schützlinge ging. So ward die Idee zum gemeinsam getragenen Pakt geboren und ein eherner Schwur besiegelte vor nunmehr zwanzig langen Jahren die Geburt des Ordens der Pendelachse.

Mittels ihrer eigenen Hände Arbeit vollbrachten die Pendelachser seit jener Zeit Großtaten, die die verblüfften Rheinländer an Wunder glauben ließen. Wie einst im Mai verließ Käfer um Käfer als geheilt die Schuppen und Remisen der stolzen Ritter und manch einer fragte sich angesichts solcher Wundertaten „wie ist das möglich? Steht hier die Zeit still?“ So verbreitete sich die Kunde der Wiederauferstehung durch Menschenhand unter der staunenden Menge, daß diese sich in die herrlichen Zeiten zurückversetzt fühlte, als noch alles gut war und die Menschen im einfachen Käfer zufrieden waren. Viele weitere Jünger fanden sich im Lauf der Zeit und traten dem Bunde bei, um das begonnene Werk fortzuführen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fahren sie heute noch Käfer, helfen und unterstützen sich gegenseitig, fragen nicht nach Gewinn und veranstalten auch das eine oder andere Käfertreffen.

Und die Moral von der Geschicht: Ohne Käfer geht es nicht!


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